Faktorprofil lifecycle_co2e_v0.1
CO2-Emissionsfaktoren: Methodik und Quellen
Unsere CO2-Intensität ist ein modelliertes Lebenszyklus-Signal: vorhergesagter Erzeugungsmix je ENTSO-E-Produktionstyp, multipliziert mit einem Emissionsfaktor. Diese Seite sagt, welche Faktoren das sind, woher sie stammen und wo sie Näherungen bleiben.
- Einheit durchgehend
gCO2e/kWh_el, Methodikstand 2026-09-02 - überwiegend IPCC-AR5-Lifecycle-Mediane, mit dokumentierten Aggregationen
- vier Werte sind ausdrücklich Projekt-Näherungen und als solche gekennzeichnet
Was diese Zahl ist – und was nicht
CO2e umfasst die in den zugrunde liegenden Lebenszyklusanalysen betrachteten Treibhausgase als CO2-Äquivalente. Es sind deshalb keine reinen Schornstein-Emissionen, sondern eine vereinfachte Lebenszyklus-Perspektive inklusive Brennstoffbereitstellung und Infrastruktur, soweit in der jeweiligen Referenz enthalten.
Das Ergebnis ist ein eigenes, modelliertes Vergleichs- und Optimierungssignal. Es ist weder ein Messwert noch ein amtlicher Emissionswert und ohne weitere Bilanzierungsregeln kein geprüfter Scope-2-Faktor.
Quellen
- Primärreferenz: IPCC (2014), AR5 Working Group III, Annex III, Tabelle A.III.2 – Median der Lebenszyklus-Emissionen in
gCO2eq/kWh. - Bandbreitenkontrolle: UNECE (2021), Life Cycle Assessment of Electricity Generation Options. Prüft, ob die Projektwerte in plausiblen aktuellen LCA-Bandbreiten liegen; ersetzt die IPCC-Mediane in
v0.1nicht. - Zuordnung der Produktionstypen: ENTSO-E, STA Implementation Guide 2.2, Attribut
mktPSRType.psrType.
Faktorprofil lifecycle_co2e_v0.1
Die operativ angewendeten Werte. Die API veröffentlicht dieselbe Tabelle im Feld co2.assumptions – direkt aus der Konstante, die auch gerechnet wird, damit veröffentlichte Annahme und Berechnung nicht auseinanderlaufen können.
| Modellkategorie | Faktor | Quellenstatus | Herleitung und Einschränkung |
|---|---|---|---|
wind | 12 | IPCC-adaptiert | IPCC-Median: Onshore 11, Offshore 12. Da die Modellkategorie beide ENTSO-E-Typen zusammenfasst, verwendet v0.1 einheitlich 12. |
solar | 35 | Projekt-Proxy | Kein direkt übernommener Quellenwert. IPCC-Mediane: CSP 27, PV Dach 41, PV Freifläche 48. ENTSO-E B16 trennt diese Technologien nicht; 35 ist ein vereinfachter Repräsentativwert innerhalb der Literaturbandbreite. |
hydro | 24 | IPCC-Median | IPCC-Median für Wasserkraft. Die IPCC-Bandbreite ist wegen standort- und reservoirspezifischer Emissionen sehr groß. Laufwasser, Speicher und Pumpspeicher werden im Modell nicht mit eigenen Faktoren getrennt. |
nuclear | 12 | IPCC-Median | IPCC-Median für Kernenergie. |
biomass | 230 | IPCC-Median | IPCC-Median für dedizierte Biomasse/CHP. Der Wert ist stark von Rohstoff, Landnutzung, biogenem Kohlenstoff und Bilanzierungsregeln abhängig. |
waste | 330 | Projekt-Proxy | Kein direkt übernommener IPCC-Median. Abfallzusammensetzung, fossiler Anteil, Wirkungsgrad, Wärmenutzung und vermiedene Entsorgung führen zu stark unterschiedlichen Ergebnissen. 330 ist ein Modellparameter, kein allgemeingültiger Abfallstrom-Faktor. |
gas | 490 | IPCC-Median mit grober Zuordnung | IPCC-Median für Erdgas-GuD. Der Projekt-Bucket enthält derzeit auch ENTSO-E B06 Öl, B07 Ölschiefer und B08 Torf; für diese Untertypen ist 490 nur ein Proxy und tendenziell eher zu niedrig. |
coal | 820 | IPCC-Median mit grober Zuordnung | IPCC-Median für Kohle/PC. Im Projekt zusammengefasst: Braunkohle, kohlederiviertes Gas und Steinkohle. Ein gemeinsamer Faktor bildet deren Unterschiede nicht ab. |
geothermal | 38 | IPCC-Median | IPCC-Median für Geothermie. Standort- und anlagenspezifische direkte Emissionen können abweichen. |
other_renewable | 45 | Projekt-Proxy | Kein direkt übernommener Quellenwert. Sammelkategorie für Marine und sonstige Erneuerbare; die enthaltenen Technologien sind heterogen. |
other | 450 | Projekt-Fallback | Kein direkt übernommener Quellenwert. Wird für unbekannte/sonstige Erzeugung und derzeit auch B25 Energy Storage verwendet. Speicherstrom müsste fachlich eigentlich die Intensität des Ladestroms zuzüglich Verlusten erben; 450 ist nur ein konservativer technischer Fallback. |
IPCC-Median heißt, der Wert entspricht direkt dem genannten Median. IPCC-adaptiert heißt, es wurde eine dokumentierte Kategorienaggregation vorgenommen. Projekt-Proxy und Projekt-Fallback sind keine extern publizierten Standardfaktoren.
Berechnung und Systemgrenze
Die heimische Erzeugungsintensität einer Stunde ist das mit der Erzeugung gewichtete Mittel der Faktoren:
domestic_intensity = sum(generation_mw[technology] * factor[technology])
/ sum(generation_mw[technology])
Das verbrauchsbasierte Signal kombiniert den heimischen Restmix mit positiven physischen Importen. Die Importintensität wird aus direkt angrenzenden Zonen nach derselben Faktorlogik modelliert. Das ist eine Ein-Hop-Zuordnung, keine vollständige Flow-Tracing- oder Herkunftsnachweisrechnung.
Nicht oder nur vereinfacht enthalten sind:
- Netzverluste zwischen Erzeugung und Verbrauch;
- vollständiges mehrstufiges Flow Tracing durch weitere Zonen;
- kraftwerks-, brennstoff- und standortspezifische Faktoren;
- zeitliche Veränderung der Vorketten und Anlagenparks;
- Herkunftsnachweise, PPAs, Lieferantenprodukte und Residualmixe;
- die Herkunft des Ladestroms bei Pumpspeichern und Batteriespeichern;
- vermiedene Emissionen und marginale Systemeffekte.
Verhältnis zu Scope 2
Das GHG Protocol unterscheidet location-based und market-based Scope-2-Werte und stellt eigene Anforderungen an Datenhierarchie, Vertragsinstrumente und Residualmixe.
lifecycle_co2e_v0.1 ist ein stündliches, konsumptionsnahes Lifecycle-Modellsignal für Prognose und Lastverschiebung. Es darf nicht als „offizieller Scope-2-Faktor“, „zertifizierter Unternehmensfaktor“ oder „exakte CO2-Emission des verbrauchten Stroms“ bezeichnet werden.
Zulässige Kurzbeschreibung:
Modellierte, verbrauchsbasierte Lebenszyklus-Treibhausgasintensität des
Strommixes inklusive geschätztem Importeffekt (gCO2e/kWh).
Versionierung und Reproduzierbarkeit
Ändern sich Faktoren oder Zuordnungen, wechselt das Profil seine Version. Historische Ergebnisse bleiben dem Profil zugeordnet, mit dem sie berechnet wurden.
Jede API-Antwort führt unter co2.assumptions das angewendete Profil, die Faktoren mit Quellenstatus und die Modellversion mit; der Ausgabezeitpunkt der Prognose steht in source.co2.updated_at. Damit lässt sich jeder archivierte Wert später eindeutig dem Stand zuordnen, der ihn erzeugt hat.
Vor einer belastbaren Genauigkeitsaussage sind mindestens noch offen:
- Sensitivitätsanalyse für die vier Projekt-Näherungen
solar,waste,other_renewableundother; - eigene Faktoren für Öl, Ölschiefer und Torf statt Zuordnung zu
gas; - eigene Behandlung von Pumpspeichern und
B25Energy Storage; - für Unternehmensinventare eine separate, GHG-Protocol-konforme Bilanzierung.